Gedichte

Augenblicke, unbewohnt

Kein Horizont
nur Schattenräume
als würde der Tag verbannt

als säße ich
auf einem Thron
Prinzessin ich

die mit de
mächtigen Riesen
und bleich zugleich
fischmäulig leblos

als wäre ich
von weit her
angeschwemmt

nächtliches Treibgut
Ophelia ich

  

Morgens, früh

Eisluft über der Dünung
der Felder vergessene Planen
im Wind und ich lausche
in die Reste des Sommers
als säße ich am leichten Strand

nach dem ersten Frost
wenn die Wege sich öffnen
versuche ich weite Blicke
doch in den Bäumen
flüstern die Krähen

   

     
Wut erfüllt

Bleibe bei mir
wenn ich schreie
spucke zetermordio

Gift und Galle
wenn der Tag
rotfädig ist wut-

umrandet, dann
kann ich atmen
die Augen öffnen

dann bin ich
bei mir bei dir


Koordinaten

Der Duft des Regens in meiner Straße und die Schwester, die Schaukelschwester, wir warten bis die Mondsichel wächst, das frühe Licht am Pazifik, Felsen und Treibsand, in Boston mit Jimmie am Fluss, you are such a good runner, er schreibt per Mail und ich schreibe thank you, sage gracias zu Mirta, bei ihr wohne ich drei Tage lang hinter einem Vorhang aus Perlen, sie klingen im Lufthauch, pollo kreolisch und Gesichter, Gesichter vergesse ich nicht, auch keine Orte, nicht die gefiederte Schlange der Pyramiden, bei Tag und Nachtgleiche kriecht sie durch meine Träume, mein liebster Ort die Vielstimmigkeit, dort pflanze ich den Schlafbaum, in Krakau, London und Paris, raste zwischen Hochhäusern, konjugiere Möglichkeiten, sie nisten unter der Haut, denn manchmal wird mir meine Straße fremd und ich stelle mir den Geruch der Savanne vor, doch manchmal sehe ich die Hütten, die ausgesteckten Blicke der Frauen, ihre Augen suchen mich, besuchen mich in meiner Straße, dann flüchte ich in die Farben der Ebene hinter meinem Haus und warte ruhelos bis es regnet